Gastbeitrag zum „Bürgerdialog“ in Oettingen

Ein Herr Dr. Becker hat auf der Veranstaltung einen sehr skurrilen Vortrag gehalten. Das beginnt bereits bei seiner Vorstellung: Tierarzt, Heilpraktiker aber eigentlich – und Obacht, jetzt kommts: Ganzheitsmediziner. Letzteres mit dem bescheidenen Zusatz: Bestausgebildeter im ganzen Landkreis! Das schindet Eindruck bei der Dialog-willigen Zuhörerschaft und für diejenigen die keine Ahnung haben, was mit „Ganzheitlicher Medizin“ denn überhaupt gemeint ist, erwähnt der Onkel Doktor einfach lapidar, dass diese auch für Zweibeiner geeignet ist. Mir kommt in den Sinn, dass ich frisches #Schlangenöl besorgen sollte. Einen Lachanfall später rinnt mein Kaffee übers Display, denn des Doktors Sprech verfolge ich im Live-Stream. Als Opener knallt der Medizinmann erstmal den öffentlich-rechtlichen Medien eine vor den Latz: „Waschen Sie Ihr Auto, wir waschen Ihr Gehirn – ARD/ZDF“, so will er es auf einem Autoaufkleber gelesen haben. Ein cleverer Winkelzug diese ‚Medienkritik‘ als Zitat zu verpacken. Die Besucher lachen. Nun folgt ein Schwank aus des Doktors Jugend, als er sich einen Impfstoff, welcher aus nichts geringeren als „Krebszellen“ gezüchtet wurde, hatte injizieren lassen. Solche Statements sorgen natürlich für hochgezogende Augenbrauen nicht nur unter Dialog-willigen. Die Tatsache, dass er die damalige Impfung trotz der Schauergeschichte über Krebs offensichtlich wohlbehalten überstanden hat, weil er uns davon erzählen kann scheint niemanden zu verwundern. Die Freude über das neugewonnene Leben ist groß und schon sitzt die Lokalpresse in seiner Sprechstunde: Der gute Doktor des lieben Viehs mahnt an, dass er der Augsburger Allgemeinen ein klärendes Interview zum Thema-X angeboten hätte, welches bislang von der Redaktion nicht in Anspruch genommen wurde und er endete damit, dass er der Lokalpresse als Abonnement verloren ging. Für diesen Verlust der Redaktion gab es Applaus seitens der Besucher. Warum auch immer. Danach stellt Herr Doktor klar, dass #LotharWieler nur ein ganz gewöhnlicher Kollege von ihm sei, weil dieser schließlich auch bloß Tierarzt sei und fügt seine Verwunderung über die Ausmaße von Studiengängen an. Ich muss wieder an #Schlangenöl denken. Der Knaller war allerdings, als Doc Sunshine völlig unverhofft raushaut, dass der Bayerische Ministerpräsident die Nürnberger Prozesse füßläufig erreichen könne. Woraufhin er von den Dialog-willigen Besuchern heftigen Applaus erntet. Solche Statements als „Medienschelte“ oder „NS-Vergleiche“ zu beschreiben (….) Gut, man wollte den Dialog-Partnern wohl nicht an die Karre fahren, nicht dass Oettingens Dialog-willige kugelrund und zottelig aus der Pandemie gehen. Wobei es doch schon erwähnenswert gewesen wäre, dass Herr Doktor wohl Kreisrat der ÖDP Bayern im Donau-Ries ist? Überrascht war sicher niemand davon, als der Veterinär einräumte sich nicht impfen lassen zu wollen und dabei elegant zu Horrorgeschichten bzgl. Gebärmutter überleitet. Innerlicher Aufschrei, viele fassen sich an die Gebärmutter, auch Männer (ich zumindestens). Die Veranstalterin bedankt sich artig für des Doktors absonderliche Ausführungen und gibt den Besuchern am Ende noch Buchtipps mit auf dem Weg, begleitet vom Hinweis, dass man auf der Suche nach #Wahrheit keine Angst vor Verschwörung-Phantastereien haben soll. Als wäre das nicht schon utopisch genug wird eine seltsame Performance von Christina Stürmers „Millionen Lichter“ aufgeführt und man frägt sich, welche versteckten Botschaften in dieser Musik denn wohl verborgen sein mögen, für die sich die Veranstalterin vom Rednerpult – bestehend aus Europaletten – bedankt. Ich kann nur raten und tippe auf die GEMA-Pflichtigkeit des Titels. Ich schließe den Stream und bestelle frisches #Schlangenöl und denke mir Eeadi halt widdr.

Geschätztes Mitglied und Beitragszahler

1. Bürgerdialog in Oettingen

„Die Elterninitiative Donau-Ries“ hat beim 1. Bürgerdialog in Oettingen die Messlatte schon ordentlich tief gehängt mit ihren Relativierungen und steilen Thesen. Heilpraktiker Andreas Becker hat es sich trotzdem nicht nehmen lassen, aufrecht darunter durchzulaufen. Ich war aus Pandemie-Gründen natürlich nicht vor Ort und musste deswegen auf Videos der Elterninitiative zurückgreifen.

Neben dem üblichen Medien-Bashing (ARD und ZDF) mussten erstmal ein paar Klarheiten beseitigt werden. Andreas Becker ist Tierarzt und Künstler. Es heißt schließlich „Heilkunst“, nicht Heilwissenschaft. Für ihn ist klar: Die Wissenschaft ist das Hauptproblem dieser Pandemie, womit er sich per Definition schon mal als Arzt außerhalb der Medizin positioniert. „Wer viel misst, misst falsch.“ ist sein Fazit. Was man im Umkehrschluss nicht misst, existiert auch nicht. Sowas wie Schwangerschaften, HIV, Alkohol am Steuer, schlechte Abiturnoten. An Brillanz kaum zu übertreffen.

Mediziner:innen sind leider nur Wissenschaftler:innen, die sich auf Fakten, Zahlen und den ganzen langweiligen Kram verlassen. Andreas Becker von „ganz oben“ weiß jedoch, die Lösung ist nicht das Impfen oder die Forschung, sondern die Einstellung. Man darf den Erreger nicht „zulassen“. Alle ehemaligen Sportler:innen mit Long-Covid-Folgen hätten mal lieber an ihrer Einstellung gearbeitet als an ihrer Fitness.

Er als Impfkritiker rät Frauen, die Mütter werden wollen, von einer Impfung ab. Er weiß schließlich immer noch nicht, was die Antikörperbildung mit der Gebärmutter anrichtet. Natürlich könnte man sich die passenden Studien heranziehen, er als passionierter Medienverweigerer liest jedoch lieber aus geworfenen Globuli-Pillen. Bemerkenswert, diese ganzheitliche Heilkunst.

Nachdem er den Faden verloren hatte, nicht das erste Mal in dieser Rede oder in seinem Leben, musste erstmal ein Nazi-Vergleich gezogen werden, und so würde er, wenn es „hart auf hart“ kommt, den Ministerpräsidenten auch zu Fuß zu den Nürnberger Prozessen schicken. Brandender Applaus, vermutlich weil zum ersten Mal verstanden wurde, wovon er, neben ganzheitlichen Sonntagen und geimpftem Fleisch von der Metzgerei eigentlich, sprach. Für seinen Fachkollegen Lothar H. Wieler schämt er sich. Seit dieser Rede wird es ihm sicher genau so gehen.

Zum Schluss kam wie gewöhnlich noch der Appell an die Menschen, wieder andere Meinungen zu respektieren und akzeptieren. Von ihren Meinungen war sicherlich die Rede und das würde ich auch gerne, aber sie machen es mir so verdammt schwer. Wer alle „in eine Schublade steckt“ kann sich nicht echauffieren mit allen „über einen Kamm geschert zu werden“.

Abspann: „Imagine“…so wie es sicher John Lennons Wunsch gewesen wäre.

Warnung!

Liebe Bürger:innen,

uns liegt exklusiv ein Hinweis vor, dass das Covid-19-Virus Menschen am 26.03. zu einer Demo gegen die „Corona-Maßnahmen“ in Donauwörth zwingt.

Unter dem irrsinnigen Motto „Keine Tests“ – „Keine Pandemie“ instrumentalisiert das Virus sogar Kinder für seine bösartigen Machenschaften. Was kommt als Nächstes? Keine Tests, kein Alkohol am Steuer, keine Tests, keine Schwangerschaft, keine Tests, keine Durchfaller:innen? Gebt dem Virus keine Chance und geht da nicht hin. Dann gibt es ein Freibier eurer Wahl, nach unserer Machtübernahme durch die nächste Bundestagswahl.

An alle die dennoch hingehen: Eine richtige Demo ist’s nur mit Polonaise.

Das Wort zum Sonntag

GenossX, liebes Tagebuch, wir haben ein neues / altes Design, um noch mehr mit dem Bundesverband der großartigen Partei Die PARTEI zu verschmelzen und irgendwas mit Psychologie. Gewöhnt Euch gefälligst daran.

Wir machen keine Realpolitik! Gerne veranlassen wir andere Parteien (so lange von uns geduldet) vernünftige Realpolitik zu machen. Wir sind nicht der Steigbügelhalter größenwahnsinniger Kommunalpolitiker.

Wir sind nicht geimpft! Danke für die Aufmerksamkeit.

2020 ist zum Glück gleich vorbei.

Auf was für ein anstrengendes Jahr müssen wir zurückblicken?

Wir haben nicht nur viele Mitmenschen an ein Virus verloren, sondern auch viele Menschen an den Irrsinn. Dabei haben wir es nicht einmal geschafft die Briten loszuwerden. Was haben die Querdenken-Demonstrationen gezeigt? 80% haben das Grundgesetz und dessen Schranken nicht verstanden und 20% der Teilnehmer haben ihre eigene Verfassung oder schwören immer noch dem Kaiser die Treue. Ständig stand ein verwirrter Mensch gegen ein Regime auf, das es nicht gibt und prangert eine Lügenpresse an, die nicht lügt. Wie sonst erklären sich diese verwirrten Opferrollen, dass andere Länder die gleichen Maßnahmen ergreifen und deren Presse das Gleiche berichtet? Der gleiche Adrenochrom-Lieferant?

Ein echtes Problem dagegen ist nach wie vor die Klimakrise. Ich wünschte mir wir würden genau so energisch gegen diese Krise vorgehen, wie die Stadt Augsburg gegen das Klima-Camp vor ihrem Rathaus. Ein Camp junger, engagierter Menschen, deren Bemühungen beim Kampf gegen das SUV-Establishment verdampfen.

Klima erleben die Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen gerade hautnah in erbärmlichen Zuständen. Wenn sie nicht das Glück hatten im Mittelmeer zu ertrinken, enden sie nun als Rattenfutter in Kartonagen, während lupenreine Demokratien wie Ungarn und Polen die Rechtsstaatlichkeit der EU auf irgendwelchen Orgien penetrieren.

Derweil kann man in Deutschland zwar noch sehr gut Rassismus als Minderheitenproblem bzw. ein 08:46 Minuten langes Phänomen aus Übersee weg ignorieren, rassistische Anschläge jedoch nicht. Und davon gab es in diesem Jahr zu viele. Das Nazi-Problem verschwindet bedauerlicherweise nicht von allein. Nazis tauchen plötzlich überall auf, ebenso wie die Privatadressen von Demokraten in Nazi-Chatgruppen.

Apropos Menschen, die im Gestern leben. Wie sich herausgestellt hat, werden Frauen auf der Straße nicht gerne vom Bodensatz menschlicher Evolution sexuell belästigt. Aber nicht „Catcalling“ scheint das Problem zu sein, sondern Frauen, die sich dagegen wehren. Und Frauen haben wir viele, ungefähr 50%, zumindest außerhalb der Vorstände. Dort kennt man Frauen überwiegend aus dem Browserverlauf oder der Jahreshauptversammlung.

Es gab allerdings selbst im schlimmsten Jahr der Nachkriegszeit auch gute Nachrichten. In den USA regiert bald ein alter, weißer Mann, der nicht Trump ist, wenn man Donald mit einem Brecheisen aus dem Weißen Haus stemmen kann. Bei Thomas Kemmerich hat das immerhin 3 Tage gedauert. Und wir sind dank Mitglied 50.000 Marco Bülow endlich im Bundestag angekommen.

Im Namen des Kreisverbandes wünsche ich allen Menschen schöne Feiertage, eine rasche Genesung, einen stillen Rutsch und ein gewaltfreies Homeoffice. Solltet ihr ohne Glühwein zum ersten Mal merken, dass der Winter kalt ist, macht Kniebeuge und klatscht in die Hände, da haben die Pflegekräfte auch was davon.